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 Betreff des Beitrags: mao. als der große vorsitzende einmal nachsitzen musste.
BeitragVerfasst: 26. Juli 2009, 12:09 
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mao zedong (1893 – 1976) ist tot. ist mao zedong tot?

„wie tot ist mao wirklich?“ diese frage ist berechtigt: hatte in deutschland eine entnazifizierung, in der ehemaligen sovietunion eine entstalinisierung stattgefunden, hat in der volksrepublik china eine entmaoisierung nie wirklich gegeben. mao ist politikone, auf die auch die gegenwärtige chinesische staatsführung nicht verzichten möchte.

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„Genosse Mao Tse-tung ist der größte Marxist-Leninist unserer Zeit. In genialer, schöpferischer und allseitiger Weise hat Genosse Mao Tse-tung den Marxismus-Leninismus als Erbe übernommen, ihn verteidigt und weiterentwickelt; er hat den Marxismus-Leninismus auf eine völlig neue Stufe gehoben.

Die Ideen Mao Tse-tungs sind der Marxismus-Leninismus jener Epoche, in welcher der Imperialismus seinem totalen Zusammenbruch und der Sozialismus seinem weltweiten Sieg entgegengeht. Die Ideen Mao Tse-tungs sind eine mächtige ideologische Waffe im Kampf gegen den Imperialismus, eine mächtige ideologische Waffe im Kampf gegen Revisionismus und Dogmatismus. Die Ideen Mao Tse-tungs sind das Leitprinzip für die gesamte Tätigkeit der ganzen Partei, der ganzen Armee, des ganzen Landes."


so schreibt lin biao, verteidigungsminister unter mao im vorwort zu „die worte des vorsitzenden mao“.biao putschte allerdings 1971 gegen mao, was mao dazu veranlasste, alle exemplare der mao-bibel, die das das bibaoische vorwort enthielten, nach einer gigantischen, der weltgrößten buchrückholungsaktion einstampfen zu lassen. biao kam auf der flucht in die sovietunion bei einem flugzeugabsturz ums leben. selbstverständlich unter nie ganz geklärten umständen.

zurück zu mao. der wusste als politischer konzeptkünstler wie man den revolutionären erregungs- und empörungspegel hochhält: mit kampagnen.

begonnen hatten maos politinstallationen 1927 im postfeudalem chinesischen machtvakuum mit der herbsternte, einem aufstand, der allerdings in die hose ging. hierauf setzte er seinen damals noch nicht breiten a.rsch im sogenannten langen marsch in bewegung und flüchtete vor den truppen chiang kai-sheks. der marsch war lange und so erreichten auch nur 10% der soldaten ihr ziel. die anderen kamen um.

nächste kampagnen: hundert-blumen-bewegung (1956 –1957), der große sprung nach vorne (1958 – 1961), der ja bekanntermaßen in einem formidablen wirtschaftspolitischen bauchfleck und der größten hungerkatastrophe der welt - mit rund 35 millionen todesopfern - endete, dann die kulturrevolution 1966 – 1976.

1974 kleine zwischenkampagne: „kritisiert konfuzius und lin biao!“

im zusammenhang mit den kampagnen darf die mao-bibel nicht unerwähnt bleibenl, die in einer auflage von rund einer milliarde exemplaren erschien und damit fast so erfolgreich wie die bibel ohne mao war.

weg von der bibel hin zum wassersport: mao hatte ein beinahe erotisches verhältnis zum jangtse.(mao war übrigens praktizierender, aber nicht bekennender sadist) er vergewaltigte den fluß nicht nur in unzähligen gedichten , sondern durchschwamm auch gerne die chinesische lebensader, das letzte mal 1966 im stolzen alter von 73 jahren! presse war natürlich auch geladen, da war mao ziemlich tough.

http://www.theeastisred.com/images/records/RCD%2000025a.jpg

bildlicher nachtrag: der frühere weggefährte des wassersportlers, poeten und politinstallateurs mao und dessen späterer gegenspieler lin biao, wurde von seiner eigenen tochter die maoistin und eben keine biaonistin war, verraten.

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war dem bauernsohn, hilfsbiblothekar und späterem diktator mao zedong eindeutig zu konservativ: konfuzius.

unter konfuzius wäre das biaonische familiendesaster undenkbar gewesen, trat doch gerade konfuzius für das hochhalten familiärer werte & respekt der nachkommenschaft gegenüber der altvordernschaft ein. was aber gerne übersehen wird, dass konfuizius durchaus ein freund autoritärer staatssysteme war und in mao einen gelehrigen, wenn vielleicht auch etwas undankbaren schüler gefunden hatte.

der chinesischen weltsicht, egal ob kaiserlich oder maoistisch getönt, war das individium immer fremd- im volkskörper. deshalb haben die chinesen auch mit den menschenrechten nicht soviel am hute, sehen die menschenrechte eher als juristisches kuriosum der westlichen welt.

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maobibel statt reisepass.

die maobibel ersetzte zu den zeiten des großen vorsitzenden personalausweis. reisepass wurde nicht benötigt, weil ohnedies niemand ins ausland zu reisen beabsichtigte. alle wollten sich in der nähe der lichtgestalt mao zedong sonnen, der nach der proklamation der volksrepublik china im jahre 1949 durch säuberungsaktionen , militärische abschlachtfeldzüge (korea ) und durch wirtschaftspolitische wahnsinnsaktionen herbeigeführte hungersnöte (stichwort: der große bauchfleck, aber eben nicht nur der) rund 70 millionen tote einfuhr. da muss sich selbst der zweite weltkrieg mit rund 65 millionen toten - wenngleich auch nur knapp - geschlagen geben.

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maoitische kampfameise

unzweifelhaft war mao ein ungemein erfolgreicher stratege und populator, der wusste wie man kämpft und die leute hinter sich bringt. er war jedenfalls mit seinem guerillakampf, also dem operieren in kleinen, mobilen mikroverbänden, sogenannten zellen, den er nach dem langen marsch im so chinas perfektionierte, nicht nur den befreiungsarmeen der dritten welt, sondern auch antistaatliche provokationsvereinen wie der raf (und hiemit ist nicht die royal airforce gemeint, anm. des verfassers)inspirationsquelle.

eine andere strategie verfolgte mao im koreakrieg, in welchem er seinen alten spezel kim il sung sen. -ja, der apfel fiel nicht weit vom alten schlachtross. - unterstütze. er schickte eine halbe million schlecht bewaffneter soldaten gegen die amerikanischen und südkoreanischen verbände. die amerikaner und südkoreaner pulverten ordentlich rein in die chinesischen menschenwellen, rechneten sie doch mit einem verebben der wellen. doch immer wieder kamen neue wellen. welle für welle. im süden ging die munition aus. der große vorsitzende ließ dann ein paar besser bewaffnete verbände nachrücken, die dann mit dem munitionslosen süden kein wirkliches problem hatten. Genaue zahlen gibt es keine angeblich starben rund 500 000 chinesische soldaten. von den opfern in der zivilbevölkerung gar nicht zu reden.

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andy warhol ikonisierte den großen vorsitzenden.

mao übte auf die amerikanische und europäische intelligenz, also die „sogenannte" intelligenz der 60er und 70er des vergangenen jahrhunderts eine merkwürdige faszination aus.

andy warhol, der ja bekanntermaßen aus der dosenmalerei kam, erkannt schon früh den wert der marke mao, und ließ dose dose, campbell campbell sein. der maoismus war andy warhol powidel. mao war das objekt seiner begierde.

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jean-paul sartre auf dem weg zum großen vorsitzenden.

anders unser hornbebrillter jean-paul, der ja immerhin das sein und das nichts und kritik der dialektischen vernunft verfasste. er stellte sich voll in den dienst der maoistischen sache und gab den straßenverkäufer für ein radikalkonfuses erbauungsblättchen der maoistischen gauche proletarienne.


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”stinking number nine”.

obwohl hornbrillenbewaffnet, hat jean-paul sartre die chinesischen verhältnisse unter mao nie sonderlich klar gesehen. wie überhaupt die gesamte europäische linke sichtprobleme hatte.

eine permanente revolution permanent am leben zu halten, ist kein einfach ding. den gegensatz zwischen arm und reich gab es nicht mehr, spätestens seit dem großen sprung nach vorne waren ja alle chinesen arm. also: wie?

was wäre ein diktator ohne säuberungsaktionen? also warf mao die revolutionäre waschmaschine wieder an und begann kulturrevolutionärbewegt mit säuberungen großen stils. zuerst kamen die intellektuellen dran, die er in der hundert-blumen-bewegung noch umworben und zur kritik ermuntert hatte.

die staatsfeinde waren ja fein säuberlich durchnumeriert: waren die landlords die nr.1 gewesen, die parfümfabrikanten die nr.5, so waren die intellektuellen die nr.9. bekannt wurde ja ein foto, auf welcher eine junge rotgardistin zu sehen war, die einem intellektuellen ihren stiefelabsatz in den körper drückte und ihn zwang zu sagen: „ich bin eine stinkende nummer 9!“ ( natürlich auf chinesisch, nicht auf deutsch! – anm. des verfassers).

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konfuzius geht, mao kommt. und das nicht zu knapp! in der kulturrevolution wird der chinesische teenager zur bestie erzogen. man lasse sich von dem treuherzig/leicht sentimentalösen blick der hübschen rotgardistin nicht täuschen!

mao war wohl der menschheit begnadester produzent von revolutionsenergie. er revolutionierte die revolution und machte sie zu einer permanenten. er hatte auch ohne brille den durchblick und erkannte schnell: „chinas stärke liegt in seiner äußersten not.“ ohne den zorn der massen gedeiht weder diktatur noch revolution. die diktatur braucht feinde, innere und äußere, das ist die energie, die den volkszorn köcheln lässt. mao lieferte sie seinem volk am laufenden band, chimäre hin und birne leer.

klar: es ging schon längst nicht mehr um revolution. mao war auch nie marxist/leninist wie vielleicht ein paar sozialromantische schwärmer glauben. nein, mao hörte nur auf sich selbst. er war maoist durch und durch.

in diesem zusammenhang passt auch gut, was mao sagte, als er sich mit den japs prügelte: „zu zehn prozent verwende ich meine energie um den japs ordentlich den hintern zu versohlen, zu vierzig prozent um meine innenpolitischen gegner zu vernichten und zu 50% um meine macht auszubauen.

ein paradigmenwechsel tritt also ein: mit mao hört jung nicht mehr auf alt, wie es seit konfuzius in china üblich gewesen ist. das ohr der jugend gehört mao: der ordnet zwar nicht direkt den kampf gegen die ältere generation an, äußert aber „verständnis für das, was die jungen machen werden müssen“:

sprich: ihre reaktionären alten abschlachten.

der mob entfesselt sich. die rotgardistInnen lassen blut spritzen. die alten und intellektuellen sind an allem schuld. rund 10 millionen lassen in der kulturevolution ihr leben. aber was solls. die zahlte in einem bevölkerungsreichen land wie china mao ohnedies aus der human resources portokasse.

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auch in tibet wird die kultur revolutioniert.

die annexion von tibet in den frühen fünfzigern war völkerrechtswidrig. dass man den tibetern während der kulturrevolution ulkige papiermützen mit irgendeinem propagandablabla aufsetzte, war noch einer der harmlosesten scherze der stets gut gelaunten rotgardistInnen.

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kopflos in die neuen zeiten.

nicht nur den intellektuellen hieb man die köpfe ab. aktionismus a la mao.

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mao war weder marxist noch stalinist. er war stahlinist und politischer installationskünstler.

dieser befund mag auf das erste befremdlich wirken. natürlich bemühte sich mao nach außen um revolutionary correctness, rekursierte zuweilen sogar auf die geschäftsberichte der marx & lenin-incorporation samt ihren füfjahresplänen.

aber mao wäre nicht mao gewesen, wäre er nicht einfach nur mao gewesen, frage nicht!

sicher, er hatte sich im postfeudalem china mit seiner erfolgreichen installation der totalguerilla in der hegemonialkünstlerszene schon einen namen gemacht. doch das war ihm nicht genug. er wollte mehr. er wollte den großen sprung nach vorn!.

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eine permanente revolution braucht eine permanente action. miltiärisch war in den zu ende gehenden rocking fifties für china nicht viel zu tun. tibet hatte man ja sich schon 1951 unter den nagel gerissen.

auch als modezar hatte er sich in der haute couture mit seiner legendären mao-uniform (angeblich unter mitwirkung von coco channel („liebe schützt vorm altern, aber alter nicht vor der liebe", erfinderin des kleinen schwarzen, die wie mao ja ebenfalls aus ärmlichen verhältnissen stammte und mit ihm ein verhältnis gehabt haben soll, anm. des verfassers) zu positionieren.

innenpolitisch hatte mao die schmutzigsten querulanten auch schon in die revolutionäre waschmaschine geschickt, zeit für mao zu zeigen, dass er auch wirtschaftspolitisch was drauf hatte.

so beschloß er, in stahl zu machen!


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pflugscharen zu schrotthalden, so lautete die parole.

maos plan war von edler schlichtheit und kontergenialität. er wollte innerhalb von fünfzehn jahren england in der stahlproduktion überholen und zum weltführer in stahl werden.

so ordnete er 1958 den Großen Sprung nach vorne an:

die bauern sollen nicht mehr blöde auf den feldern herumsäen und –ernten. die zeiten seien andere geworden, neue herausforderungen lägen vor den chinesen:

jedes dorf hätte einen hochofen zu errichten und in einem stählernen kraftakt die chinesische volkswirtschaft in einer konzertierten anstrengung in die höhe zu jodeln.

viele bäuerinnen und bauern waren ja analphabetinnen und konnten das in der gesamten volksrepublik china verschickte “fucking manuel!“ zur errichtung von hochöfen nicht lesen. stahlkommissäre wurden in jedes dorf geschickt und schließlich war alles eingeschmolzen, was zum einschmelzen war. kochtöpfe, pflugscharen und auch der stählerne arbeitsfleiß der bevölkerung.

schließlich geht auch stahlproduktion mit leerem magen nicht, frage nicht.


der Große Sprung nach vorne endete im Großen Bauchfleck.


es gab plötzlich jede menge stahl in china. zwar von nicht guter qualität, aber immerhin. kaufinteresse am weltmarkt gab es für diesen stahl allerdings keines. zu schlechte qualität. aber immerhin war jetzt china nummer 1 in der rosthaldenszene.

allerdings hatten die chinesen jetzt nichts mehr zum essen. diese maoistische burleske kostete nach aktuellen schätzungen rund 35 bis 43 (nach chinesischen schätzungen immer noch rund 30 ) millionen menschen das leben.

die mitglieder des führungskaders rund um mao blieben loyal oder zogen sich in diplomatische krankenstände zurück. doch natürlich war eine derartig massive reduktion des personalstandes der china volkswirtschaften ag auch dem großen steuermann nahezubringen. man tat es diskret und dezent.

mao meinte darauf in seiner lakonischen art bloß: “auch diese toten könnten nützlich sein, da ihr blut die chinesische erde düngt.“

dem ist nichts hinzuzufügen.


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was bleibt von mao ?

sicherlich der mao-anzug.

der anzug besitzt zwei aufgenähte brusttaschen und zwei seitlich aufgenähte seitentaschen. jede brust- und seitentasche ist mit einer patte (verschlussklappe) versehen und kann mit einem knopf verschlossen werden. der kragen ist eng und hat eine kurze umgeklappte falz. die jacke wird mit fünf zentrierten knöpfen bis oben eng an den kragen verschlossen. die betonung (des anzuges, nicht der knöpfe!) liegt auf symmetrie und ausgewogenheit.

der anzug ist hip und wird die zeiten überdauern. vielleicht nicht in dem groben chinaleinen, sondern in britischer schurwolle. möglicherweise kommen auch die brusttaschen weg. das fünfgeknöpfe wird sicher ebenso bleiben wie die falzumklappung. das kann als sicher angenommen werden.

die beurteilung des wirkens von mao außerhalb der haute couture wird sicherlich unterschiedlich ausfallen. die einen werden ihn als brillianten großvater der guerillantinnen sehen.

andere werden ihn wiederum als beweis dafür anführen, dass man mit blut nicht alles kaufen kann und darauf hinweisen, dass er letztendlich nicht anderes gewesen sei, als der moderator seiner eigenen moralischen und wirtschaftspolitischen misserfolge.

seitens der aktuellen politischen führung in china gilt nach wie vor die alte deng-formel (neuchinesisch das auf deng xiaoping zurückgehende wording, anm.: des verfassers), wonach 30% schlecht, 70% aber gut gewesen sei, was mao getan hat. zumeist werden maos aktivitäten aktuell den 30% zugeordnet.

der mao-anzug gehört aber sicherlich zu den 70%.

auch wenn da coco channel ihren anteil gehabt haben soll. mao zedong musste übrigens niemals nachsitzen.


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