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 Betreff des Beitrags: prominente leichen
BeitragVerfasst: 29. Juli 2009, 18:23 
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Registriert: 14. September 2008, 15:32
Beiträge: 94
out of the dark. eine kulturgeschichte prominenter fäulnis und verwesung.


leichen sind fleischgewordene (besser: fleischzerfallende) manifestationen der vergänglichkeit. sie sind neben kerzen, zeitgläsern und welkenden blumen das vanitassymbol unserer kultur schlechthin.

anliegen der vorliegenden anthologie ist es, kunde über das schicksal prominenter leichen zu geben. wohlgemerkt, wir werden uns mit prominenten leichen, nicht mit leichen prominenter personen beschäftigen. es sei allerdings nicht verhehlt: wer zu lebzeiten prominent gewesen, hat naturgemäß bessere chancen, auch als leiche prominent zu werden!

für leichenprominenz reicht es nicht aus, bloß irgendwo und –wie vor sich hinzumodern. nein, es müssen sich im curriculum vitae einer leiche besonderheiten finden lassen, welche eine neugierde hervorrufen, die von dem interesse an der davor-gelebt-habenden person unabhängig ist. dieses zur-welt-kommen der leiche unter besonderen umständen bedeutet die zündung ihres postvitalen popularitätsturbos. die leiche gerät in das blickfeld einer interessierten öffentlichkeit.

leichen haben ihr ablaufdatum. irgendwann geht jeder sterblicher überrest neue molekulare bindungen ein. wer es als leiche zu etwas bringen möchte, muss sich bereits zu leichzeiten darum bemühen. sind leichen einmal– ohne popularitätsbegründende akzente gesetzt zu haben – in den großen kreislauf rückgespeist, besteht für sie zumeist keine hoffnung auf postvitale berühmtheit. diese leichen mögen in frieden ruhen. sie haben es sich verdient. wir beschäftigen uns mit den anderen. die haben sich dieses auch verdient.

manche leichen stehen aber auch einfach nur für ihre zeit. sie sind paläoanthropologisch gesehen leitleichen, ähnlich wie die leitfossilien in der paläontologie.

wie zum beispiel lucy und ötzi. mit diesen beiden machen wir unseren anfang. doch davor noch ein paar allgemeine bemerken zu leichen, bemerkungen, die sowohl auf promi-leichen als auch ganz normale leichen zutreffen:


der anblick eines erkalteten körpers lässt keinen von uns kalt. es sind die seelenlosen veränderungen im und am körper des ehemals beseelt gewesenen, die einen schaudern, traurig, bestürzt, betroffen machen, in angst versetzen. in diesen veränderungen des körpers, die in den ersten tagen nach dem tod am stärksten eintreten, manifestiert sich die vergänglichkeit in ihrer stärksten form.

meyers konversationslexikon hält zum leichenbegriffe fest:

Leiche [althochdeutsch lih »Körper«], Leichnam, Körper eines Menschen nach dem Eintritt des Todes, solange der Gewebezusammenhang durch Fäulnis und Verwesung noch nicht vollständig aufgehoben ist. Kennzeichnende Veränderungen als Anhaltspunkte zur sicheren Feststellung des Todes und gegebenenfalls auch des Todeszeitpunktes sind die Abkühlung der Körpertemperatur (Leichenkälte), die Versteifung der Körpermuskulatur (Leichenstarre) und die Leichenflecken. Spätere Veränderungen der Leiche werden durch Gewebeauflösung unter der Einwirkung körpereigener Enzyme, auch Selbstverdauung des Magens, sowie bakteriell durch von den Organen ausgehende Fäulnis und Verwesung hervorgerufen (Todeszeichen, Tod).

wann der tod genau eintritt, wenn er eintritt, ist umstritten. einvernehmen herrscht aber darüber, dass jedenfalls der ausfall der kommandostation des menschlichen körpers, das hirn, voraussetzung ist. da geht dann nichts mehr. anders wie das herz kann das hirn nicht mehr ins vitale zurückmassiert werden. in der praxis hat sich eingebürgert, dass man dann als tot angesehen wird, wenn der arzt dies festgestellt und den totenschein ausgestellt hat. da hat man dann alles hinter sich gebracht, vor allem das leben.

wie es dann mit dem leichsein weitergeht, hängt von den umständen ab, vor allem von den äußeren: temperatur, luftfeuchtigeit, frischluftzufuhr sind die entscheidenden kriterien. als faustregel mag gelten: hohe temperatur, hohe luftfeuchtigkeit und wenig sauerstoff weisen den weg in einen verfaulungsprozess, niedrige temperatur, niedrige luftfeuchtigkeit und vor allem frischluft hingegen in einen verwesungsprozess.

mischformen sind die regel, nicht die ausnahme. das körperinnere, wohin nur wenig sauerstoff gelangt, verfault zumeist, während am körperäußeren zumeist die optisch attraktivere und vor allem geruchsärmere verwesung stattfindet. eine in einem sarg befindliche leiche verwest/verfault achtmal so langsam wie eine leiche, die sich an frischer luft befindet. die in der regel kühlere erdtemperatur entschleunigt ebenfalls den auflösungsprozess.

erfreulich übrigens, dass weder durch verwesung noch durch verfaulung des körpers energie verloren geht. aber das verwundert nicht, es handelt sich schließlich bei der aufspaltung der komplexen organischen strukturen - durch bakterien und „spaltpilze“ - in vorwiegend wasser, kohlenstoffdioxid und harnstoff um ganz normale chemische vorgänge, bei denen nach dem energieerhaltungssatz in geschlossenen systemen (achtung! in gegebenem zusammenhang ist mit geschlossenem system nicht der zugenagelte sarg gemeint!) die energie immer am leben bleibt. wenngleich im gegebenen fall natürlich in anderer form.

in sogenannten bodyfarms (nicht zu verwechseln mit den beautyfarms!) werden die postmortalen veränderungen, also gärungsprozesse, gasaustritt, insektenbefall und dergleichen streng wissenschaftlich untersucht. weltweit gibt es zwei bodyfarms, eine dritte soll in indien (stichworte: verschmutzung des ganges durch herrenlose leichen, parsische freiluftbestattung etc.) dazu kommen.

hier aus wikipedia etwas über die bodyfarm der university of tennesse:

Das Gelände selbst war ursprünglich eine Mülldeponie, bis es 1971 von dem forensischen Anthropologen William M. Bass umfunktioniert wurde. Es war bis 2006 das einzige Freiluft-Labor weltweit, auf dem Wissenschaftler den Zerfall menschlicher Leichen untersuchen konnten. Untersucht werden beispielsweise Einflüsse von Todesart, Alter, Geschlecht, Witterung oder Leichenlagerung auf die Verwesungsgeschwindigkeit. Der Verwesungsprozess wird dazu dokumentiert, alle 6 Stunden werden die Leichen von Digitalkameras fotografiert, gleichzeitig werden Randbedingungen, wie Lufttemperatur oder Luftfeuchtigkeit, aufgezeichnet. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Oak Ridge National Laboratory werden Geruchsproben entnommen und anschließend gaschromatographisch und massenspektrometrisch auf ihre Zusammensetzung hin analysiert. Entomologen untersuchen die Besiedelung der Leichen durch Insekten. Das Gelände wird auch zur Ausbildung von Special Agents des FBI genutzt, die dort einen zu ihrer Ausbildung gehörenden Grundkurs in forensischer Entomologie absolvieren. Ursprünglich fand dieser Outdoor Recovery Course an der FBI-Academy in Quantico, Virginia, statt, fiel aber einer Budgetkürzung zum Opfer.

bei der mumifizierung handelt es sich um nichts anderes als eine künstliche herbeigeführte komplettverwesung auf allerhöchstem niveau. allen mumifizierungen ist eines eigen: das wasser muss raus! sei es durch einsalzen („pökeln“), durch räuchern (gab es in australien, neuseeland und indien: der leichnam wurde auf einem baum geknüpft, darunter wurde ein stark rauchendes feuer entzunden, der leichnam hing dort ein paar tage, bis er gänzlich schwarz geworden und frei von wasser war) oder durch andere methoden.

praeseccotum

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tut ench amun, die wohl bekannteste dörrpflaume aus dem alten ägypten.

mummifzierungstechnisch wurde allerdings bei den alten ägyptern vor allem in den oberen schichten weniger die dörrmethode, sondern die flüssigmumifizierung angewandt (quelle wiederum wikipedia):

Diese Technik, die vor allem mit den alten Ägyptern assoziiert wird, besteht zunächst aus dem Herausziehen des Gehirns durch die Nase mittels Haken und dem Öffnen des Leichnams durch Keilschnitt, abdominal-lateral (Bauch, Unterbauch-seitlich) oder durch Weiten des Anus. In diese Öffnung wird eine Mischung aus Zedernöl, Radieschenpresssaft und Myrrhenöl eingeträufelt, der Leichnam dann mit angewinkelten Knien zusammengebunden und in einen länglichen, großen Tontopf (Pithos) gesteckt, der mit speziellem Öl aufgefüllt wird. Dort verbleibt der Leichnam etwa 4–6 Wochen und wird dann entnommen. Die inneren Organe, die sich durch die Ölmischung nun verflüssigt haben, fließen ab; nur das Skelett und die Haut bleiben übrig. Der Leichnam wird gewaschen, und äußerlich mit einer Mischung aus Kamel- oder Pferdeurin, speziellen Ölen und manchmal auch Weihrauchharz gegerbt.


schwierig zu sagen, ob tut als promi-leiche etwas taugt. wurden die sterblichen überreste seiner pharaonenkollegen zumeist von grabräubern geraubt, führte tut jedenfalls ein beschauliches und unauffälliges „leben“. gut einbalsamiert und unentdeckt lag er jahrhunderte in des grabkammers dunkel. bis 1922 der britische archäologe howard carter (nicht verwandt mit dem amerikanischen aschantibaron und späterem präsidenten jimmy carter) licht in tuts leichsein brachte.

1.kapitel lucy und ötzi

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lucy. die „große“ alte dame aus dem pliozän. 3,2 mio jahre lat, rund 1,2 m groß.

lucy stammt aus äthiopien und gilt nicht nur – trotz ihrer größe von nur 1,20m als große alte dame des pliozäns, sondern als große alte dame der mensche überhaupt.

es gibt knochenfunde von älteren vorfahren des menschen wie lucy. und lucy wird ja von manchen, eigentlich sehr vielen paläoanthropologen lediglich als australopithecine, sohin als vormenschin bezeichnet.

doch wann wird der mensch zum menschen? sicherlich nicht durch kriterien wie selbstreflexion, kommunikation, buchdruck, pornos, zähneputzen oder ähnliches mehr.

schon eher sind der aufrechte gang, gebrauch von werkzeugen hinweise für das hominide. die übergänge sind fließend, klassifikation muss aber sein, das ist schließlich der job der paläoanthropologen, und das ist auch ok so.

lucy wurde im übrigen nicht vom damaligen paläoanthropolgischen platzhirschen in äthiopien richard leakey, der ja 1972 das erste schädelskletts eines „homo“ (knöchelverzeichnis KNM-ER 1470, ein astreiner homo rudolfensis und der älteste hominide ) gefunden hatte, entdeckt, sondern von donald johanson, seinem früheren freund und späteren rivalen. mit ihrem wissenschaftlichen nachnahmen heißt lucy AL 288-1, die ganze welt kennt sie aber unter lucy. johanson soll sich nach der entdeckung in der folgenden feuchtfröhlichen fete, fast ausschließlich den beatles-song: „lucy in the sky with diamonds“ reingezogen haben. daher der name lucy.

p.s.: streng wissenschaftlich gesehen ist lucy natürlich keine leiche. an ihr war nämlich überhaupt kein fleisch mehr dran. da gab es nur mehr knochen. karriere hat sie trotzdem gemacht.

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ötzi. der mann vom hauslabjoch.


der mann vom hauslabjoch, nicht nur grenzgänger zwischen italien und österreich, sondern auch zwischen der jungsteinzeit und kupferzeit, mag vielleicht zu lebzeiten ein gewissen lokalen bekanntheitsgrad gehabt haben, so richtig durchgestartet ist er aber erst, als ihn 1991 der deutsche hobbyalpinist helmut simon in rund 3.200 meter mit dem pickel aus dem gletscher hackte ( helmut simon, *1937 in einer „streng atheistischen“ familie“ (so wikipedia wörtlich) in nürnberg geboren, + 2004 bei einem bergunfall in den gasteiner alpen, dazwischen unter anderem hausmeister der nürnberger stadtbibliothek).

ob der mann vom hauslabjoch österreicher oder italiener gewesen ist, darüber streiten die gelehrten. fakt ist es, dass er nördlich der wasserscheide der ötztaleralpen gefunden wurde, also richtung österreich entwässert hätte. ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. aufgrund spezieller grenzabmachungen zwischen italien und österreich, wurde er aber auf italienischem staatsgebiet gefunden und zwar immerhin 91 meter von der grenze entfernt.

die österreicher waren schneller als die italiener und so wurde die ausgesprochen gut erhaltene leiche zunächst nach innsbruck auf die gerichtsmedizin verbracht und dort aktenmäßig unter der zahl 619/91 geführt.

die staatsanwaltschaft innsbruck leitete ein verfahren gegen unbekannte täter ein. es war offensichtlich, dass der mann vom hauslabjoch keines natürlichen todes gestorben war.

später (genaugenommen erst 2007) sollte mit hilfe einer „multislice-computertomographie“ eine verletzung der rückseitigen wand der linken schulternahen arteria subclavia (unterschlüsselbeinarterie) festgestellt werden. dort hatte den mann vom hasulabjoch ein pfeil getroffen, er verblutete innerhalb von minuten innerlich.

nachdem der zwischenzeitlich auch schon verstorbene konrad spindler, ordinarius am institut für ur- und frühgeschichte innsbruck, schnell festgestellt hatte, dass die sterblichen überreste des mannes vom hauslabjoch, an die 5000 jahre alt waren, stellte die staatsanwaltschaft innsbruck die ermittlungen ein. es war ausgesprochen unwahrscheinlich geworden, in diesem casus noch einen täter zu finden. selbst wenn dieser gefunden worden wären, hätte er aller voraussicht nicht mehr gelebt und leichen kommen in österreich nicht mehr in den strafvollzug.

acht wochen nachdem der mann vom hauslabjoch seinem temporärgrab, dem gletscher am hauslabjoch ( fälschlich auch similaungletscher genannt ) entrissen worden war, bekam er durch wiener journalisten karl wendl, den namen, der ihn in der ganzen welt berühmt machte: ötzi.

1998 fand ötzi im südtiroler archäolgiemuseum in bozen seine vorläufig letzte ruhe. ötzi wird er dort allerdings nicht genannt. sondern schlicht und einfach: der mann aus dem eis.

http://www.archaeologiemuseum.it/f01_de.html


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 30. Juli 2009, 19:09 
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heute befassen wir uns mit zwei prominenten leichen aus dem katholischen sektor. mit jesus von nazarethund mit dem luftgetrockneten pfarrer von sankt thomas am blasenstein.

2.kapitel. jesus von nazareth. die prominenteste leiche aller zeiten.
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mathias grünewald, kreuzigung, isenheimer altar,1515

die lebens- und lebensgeschichte des jesus von nazareth darf als bekannt vorausgesetzt werden. er hatte sich bereits zu lebzeiten eine namen als wanderprediger, zauberer und schausteller, aber auch als mann mit ernsthaften religionsstifterischen absichten einen namen gemacht.

beeindruckend aber die verstärkung der wirkungsgeschichte durch die sache mit dem kreuz, dem leiden am kreuze, seinem tod und der wiederauferstehung. „er hat für euch am kreuz gelitten“ wer wird da nicht gerne reuiger sünder und schuldbewusster gläubiger?

kreuzigung, tod und begräbnis von Jesu sind im markus-evangelium, kapitel 15, 21- 47 eher spärlich beschrieben:

Die Kreuzigung

21 Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
22 Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Golgota, das heißt übersetzt: Schädelhöhe.
23 Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war; er aber nahm ihn nicht.
24 Dann kreuzigten sie ihn. Sie warfen das Los und verteilten seine Kleider unter sich und gaben jedem, was ihm zufiel.
25 Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
26 Und eine Aufschrift (auf einer Tafel) gab seine Schuld an: Der König der Juden.
27 Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links.
28 []
29 Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Ach, du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen?
30 Hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz!
31 Auch die Hohenpriester und die Schriftgelehrten verhöhnten ihn und sagten zueinander: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.
32 Der Messias, der König von Israel! Er soll doch jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben. Auch die beiden Männer, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden, beschimpften ihn.
Der Tod Jesu
33 Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde.
34 Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
35 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija!
36 Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst uns doch sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt.
37 Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.
38 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.
39 Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
40 Auch einige Frauen sahen von weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome;
41 sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
Das Begräbnis Jesu
42 Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde,
43 ging Josef von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten.
44 Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei.
45 Als der Hauptmann ihm das bestätigte, überließ er Josef den Leichnam.
46 Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.
47 Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde.


wichtig in gegebenem zusammenhang vers 37, in welchem klar zum ausdruck kommt, dass jesus seine seele aushauchte. ein scheintod scheidet damit aus, wir haben es also ab vers 37 und den danach beschriebenen vorgängen tatsächlich mit einem leichnam zu tun. das ist auch gut an den violett-weißlichen lippen im altarbildnis von grünewald zu sehen.

auch aus medizinischer sicht bestehen keine zweifel, dass wir es mit einem richtigen tod und mit einem richtigen leichnam zu tun haben:

“Der 600 Meter lange Weg nach Golgatha ist schließlich beendet. Der Gefangene wird wieder seiner Kleidung beraubt, außer einem Lendentuch, das den Juden erlaubt war. Die Kreuzigung beginnt. Jesus wird mit Myrrhe gemischter Wein angeboten, eine sanfte schmerzstillende Mischung. Er weigert sich, zu trinken. Es wird angeordnet, dass Simon das Patibulum auf den Boden stellt, und Jesus wird schnell mit seinen Schultern gegen das Holz geworfen. Der Legionär fühlt nach der Vertiefung an der Vorderseite des Handgelenks. Er treibt einen schweren, viereckigen, gehämmerten Eisennagel durch das Handgelenk und tief in das Holz. Schnell bewegt er sich zu der anderen Seite und wiederholt dieses, darauf achtend, nicht die Arme zu fest anzuziehen, sondern einige Flexion und Bewegung zu erlauben. Das Patibulum wird dann an seine Stelle am oberen Ende des Stipes’ und des Titulus’ hochgehoben, und die Schrift „Jesus von Nazareth, König der Juden“ an seinen Ort genagelt. Der linke Fuß wird gegen den rechten Fuß gepresst, und mit gestreckten Füßen und Zehen nach unten wird ein Nagel durch beide getrieben, die Knie etwas gebeugt. Das Opfer ist jetzt gekreuzigt. Da er langsam mit mehr Gewicht auf den Nägeln in den Handgelenken durchhängt, schießt qualvoller – feuriger Schmerz von den Fingern über die Arme, um im Gehirn zu explodieren, da die Nägel in den Handgelenken Druck auf die mittleren Nerven produzieren. Wenn er sich hochdrückt, um diese dehnende Qual zu vermeiden, stellt er sein volles Gewicht auf den Nagel, der durch die Nerven zwischen den Mittelfußknochen der Füße reißt.

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die passion christi. mel gibson, 2003

An dieser Stelle tritt ein anderes Phänomen auf. Da die Arme ermüden, fegen große Wellen von Krämpfen über die Muskeln, um sie in tiefe, erbarmungslos klopfende Schmerzen zu verknoten. Mit diesen Krämpfen kommt die Unfähigkeit, sich selbst hochzudrücken. An seinen Armen hängend, sind die pektoralen Muskeln gelähmt, und die intercostalen Muskeln sind außerstande, sich zu bewegen. Luft kann in die Lungen gezogen werden, aber kann nicht ausgeatmet werden. Jesus kämpft, um sich anzuheben, um sogar einen kurzen Atem zu bekommen. Zuletzt baut sich Kohlenstoffdioxid in den Lungen und im Blutstrom auf, und die Krämpfe klingen teilweise ab. Krampfartig ist er in der Lage, sich zu drücken, um auszuatmen und den Leben bringenden Sauerstoff einzuatmen. Es war zweifellos während diese Zeit, dass er die sieben kurzen Sätze äußerte, die aufgezeichnet sind:
Der erste, auf die römischen Soldaten hinuntersehend, die Würfel um sein nahtloses Kleidungsstück warfen, „[…] Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! […]“ (Lukas 23,34)
Der zweite zum reuigen Dieb „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43)
Der dritte, hinuntersehend auf den voller Kummer erschreckten jugendlichen Johannes, den geliebten Apostel, er sagte „Siehe deine Mutter“ und auf Maria, seine Mutter sehend „Frau, siehe deinen Sohn.“ (Johannes 19,26-27)
Der vierte Schrei ist vom Anfang des 22. Psalms: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen? […]“ (Psalm 22,2; s. Matthäus 27,46; s. Markus 15,34)
Stunden dieses grenzenlosen Schmerzes, Zyklen sich zu verdrehen, Krämpfe durch ausreißende Gelenke, intermittierende Teilerstickung, glühender Schmerz, wenn das Gewebe von seinem verletzten Rücken abgeschunden wird, da er sich hinauf und hinab gegen das grobe Holz bewegt. Dann beginnt eine weitere Qual. Ein zutiefst auspressender Schmerz tief im Brustkorb, als das Pericardium sich mit Serum füllt und langsam beginnt, auf das Herz zu drücken. Lasst uns nochmals an den 22. Psalm denken: „Ich bin wie Wasser ausgeschüttet, und alle meine Knochen sind ausgerenkt; mein Herz ist wie Wachs; es ist in der Mitte von meinen Gedärmen geschmolzen.“ (Psalm 22,15) Es ist jetzt fast vorbei – der Verlust an Zellstoffflüssigkeit hat eine kritische Ebene erreicht, das zusammengepresste Herz kämpft, um schweres, dickes, schleppendes Blut in die Gewebe zu pumpen, die gefolterten Lungen machen eine rasende Anstrengung, in kleinen Schlucken von Luft zu keuchen. Die merklich dehydrierten Gewebe senden ihre Flut von Reizen zum Gehirn.
Jesus keucht seinen fünften Schrei, „Mich dürstet!“ (Johannes 19,28) Lassen Sie uns an einen anderen Vers vom prophetischen 22. Psalm erinnern: „Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen; und in den Staub des Todes legst du mich.“ (Psalm 22,16) Ein in Posca getauchter Schwamm, der billige, saure Wein, der das Hausgetränk des römischen Legionärs ist, wird zu seinen Lippen hochgehoben. Er nimmt anscheinend nichts von der Flüssigkeit.
Der Körper von Jesus ist jetzt in Extremen, und er kann fühlen, wie die Frische des Todes durch seine Gewebe schleicht. Diese Erkenntnis bringt sein sechstes Wort heraus, möglicherweise nur wenig mehr als ein gefoltertes Geflüster: „[…] Es ist vollbracht! […]“ (Johannes 19,30)
Sein Auftrag der Sühne ist beendet worden. Zuletzt kann er seinem Körper erlauben, durch freiwilliges Entlassen seines Geistes zu sterben (s. Matthäus 27,50). Mit einer letzter Woge der Stärke drückt er noch einmal seine zerrissenen Füße gegen den Nagel, richtet seine Beine auf, nimmt einen tieferen Atem und äußert seinen siebten und letzten Schrei: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46)
Den Rest kennen Sie. Damit der Sabbat nicht entweiht wird, baten die Juden darum, dass die verurteilten Männer abgenommen und von den Kreuzen entfernt werden. Die übliche Methode dafür, eine Kreuzigung zu beenden, war „crura fracta“, das Brechen der Beine. Dies hinderte das Opfer daran, sich hochzudrücken; die Spannung konnte nicht von den Muskeln des Brustkorbs befreit werden, und rasche Erstickung trat dann ein. Die Beine der zwei Diebe wurden gebrochen, als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, dass dies unnötig war.
Anscheinend um mit dem Tod doppelt sicher zu gehen, stieß der Legionär seine Lanze durch den fünften Zwischenraum zwischen den Rippen, durch das Pericardium in das Herz. „[…] und sogleich kam Blut und Wasser heraus.“ (Johannes 19,34). Auf diese Art gab es eine Flut wässeriger Flüssigkeit von dem Sack, der das Herz umgibt, und Blut vom Inneren des Herzens. Wir haben deshalb postmortem ziemlich überzeugende Beweise, dass unser Herr nicht den üblichen Kreuzigungstod durch Erstickung starb, sondern an Herzstillstand durch Schock und eine Einengung des Herzens durch Flüssigkeit im Pericardium.“



W. Giolda, 1996
quelle: http://www.soulsaver.de

so weit, so grauslich. man versteht nun georg wilhelm friedrich hegel besser:

„christus gegeißelt, mit der dornenkrone, das kreuz zum richtplatz tragend, ans kreuz geheftet, in der qual eines martervollen, langsamen todes hinsterbend, lässt sich in den formen der griechischen schönheit nicht darstellen.“

hegel, vorlesungen über die ästhetik II,1


so weit, so gut oder schlecht. man begreift die schmerzen, den tod jesu, und ein wenig die rezeption der kreuzigung in der kunst- und kulturgeschichte.

was aber ein rätsel bleibt: die wiederauferstehung jesu. mit dieser wird der bislang rational nachvollziehbare boden der historizität jesu verlassen.

und genau hier beginnt für die einen der glaube, für die anderen der schwindel.

viele fragen sich, warum jesus nicht bei den menschen geblieben ist, wo er doch dort möglicherweise mehr für sie machen hätte können. an dem job, den gottvater im himmel tat, gab es ja nichts auszusetzen. eine personalrochade also aus betrieblichen gründen ist nicht wirklich nachvollziehbar.

wie auch immer. die leiche jesu hat im ersten jahrtausend nach christi geburt europa, im zweiten jahrtausend weltweit furore gemacht. wir dürfen mit fug und recht sie als die populärste leiche aller zeiten bezeichnen. und auch als einzige leiche, die sich wieder entleicht hat und von den „toten auferstanden ist“.

3.kapitel. der luftg´selchte pfarrer von st.thomas am blasenstein im schönen oberösterreich.

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St. Thomas am Blasenstein

links der Durchkriechstein, die sogenannte "Bucklwehluck'n", bei der nach Volksglauben ein Durchschlüpfen von Ost nach West gegen Kreuzschmerzen und rheumatische Beschwerden (sowie Abstreifen von Sünden) helfen soll.
In der Kirche befindet sich auch der mumifizierte Leichnam, bei dem es sich um den ehemaligen Chorherrn und Pfarrvikar Franz Xaverius Sydler de Rosenegg (4. Juni 1709 - 2. September 1746) handeln dürfte. Als Mumie auch bekannt als sogenannter "luftg'selchter Pfarrer". Quelle: http://www.sagen.at



im schönen oberöstereich, in der ersten obstruktionskammer der kirche von sankt thomas am blasensteinwird mit berechtigtem lokalstolz ein leichnam in ausgezeichnetem zustand aufbewahrt. 1855 wurde er entdeckt. der leichnam ist - ohne menschliches zutun derart perfekt mumifizert, dass manche von einem fingerzeig gottes sprechen. wobei offengelassen wird, mit welchem finger gott hier wem genau was zeigt. doch damit wollen wir uns jetzt nicht weiter beschäftigen.

Im jahr 2000 nahm der vom vorstand des pharmakologischen insituts des AKH zu wien, br.bernhard mayer, eine untersuchung der mumie vor um herauszufinden, warum beim ledernen franzel eine solch prächtige mumifizierung stattgefunden hat. doch auch mayer, der sich seine ersten sporen bereits bei der untersuchung von ötzi verdient hatte, vermochte die offenen fragen nicht restlos klären. der ursprünglich vermutete und namensgebende luftzug wurde aber eher ausgeschieden, ein giftanschlag oder „giftunfall“ scheinen wahrscheinlicher. (so fand man im magen-darmtrakt des ledernen franzel bei der untersuchung eine kirschgroße kugel mit zwei füßchen. auch im dorf munkeln die leute heute noch von einem giftmord durch quecksilber, aber auch ein betriebsunfall eines quacksalbers („medizin auf leben und tod“, also einer medizin, die, wenn sie nix nutzt zumindest letal schadet) wird nicht ausgeschlossen.

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der luftg´selchte pfarrer von st. thomas am blasenstein, auch der lederne franzel genannt.


der lederne franzel zählt mit 10 kg totgewicht - bei einer leichengröße von 171 cm – zu den leichtgewichten in der szene der mumifizierten leichen. bekannt ist er weiters für seine wunderbaren, kariesfreien zähne (in der damaligen zeit ausgesprochen selten), die ihm auch nochals leiche zu einem durchaus gewinnenden äußeren verhelfen.

bei der mumie soll es sich übrigens um den vormaligen chorherrn und parrvikar xaverius sydler de rosenegg handeln. als geburtsjahr wird im taufbuch der pfarre kreuzen der 4. mai 1709, als sterbetag in der sterbematrikel des totenbuch der gemeinde st.thomas am blasenstein der 2.september 1746 ausgewiesen.

jedenfalls ist der luftg´selchte pfarrer von st.thomas am blasenstein ein schönes, wenngleich auch seltenes belegstück dafür, dass prominenz zu lebzeiten nicht unbedingt erforderlich ist um als leiche prominent zu werden!

täglich finden um 10 und 14 uhr führungen zu dem in der ersten obstruktionskammer der kirche von st.thomas am blasenstein aufgebahrten ledernen franzel statt. die führungen dauern nach auskunft von frau elisabeth starzer, einer bediensteten der gemeinde st.thomas am blasenstein rund eine stunde! zu sehen sind nicht nur die mumie selbst, sondern auch die schuhe des xaverius sydler de rosenegg , die sich gleich neben den gut erhaltenen sterblichen überresten seiner füße befinden.


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 30. Juli 2009, 20:52 
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Registriert: 14. September 2008, 19:16
Beiträge: 100
Ich bin halb Agnostiker, halb Atheist. Also stark religiös!

Meine erste Beichte trug sich vor etwa 26 Jahren zu. Was ich denn beichten wolle, fragte mich der junge Pfarrer. Eigentlich gar nichts, entgegnete ich. Hast du denn nicht gesündigt während dieses Schuljahres, insistierte der Geistliche. Nö, erwiderte ich, bohrte in der Nase und dachte an jene Ameise, die ich etwa drei Monate zuvor mit der geballten Faust erschlagen hatte.

Offensichtlich konnte der Pfarrer meine Gedanken nicht nur lesen, sondern auch hören. Er zerrte mich aus dem Holzkasten, verpasste mir einen Tritt in den Schritt, verteufelte mich und sprach ein lebenslanges Kirchenlokalverbot aus. Beim Hinausgehen plagte mich ein himmlischer Durst und so legte ich den Weihwasserbrunnen trocken.


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 31. Juli 2009, 17:49 
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4.kapitel. philipp der schöne als weniger schöne leiche und johanna, die wahnsinnig gemachte, genannt die wahnsinnige.

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philipp der schöne. berühmtester leichnam am anfang der neuzeit.

amerika war bereits entdeckt, als philipp der schöne 1506 verschied. dennoch wird sein leichnam als der berühmteste am anfang der neuzeit angesehen. das hängt mit seiner frau, johanna, der "wahnsinnigen", zusammen. doch gemach, gemächer, gemächt.

philipp der schöne war sohn von maria von burgund und maximillian I. (der wiederum als der letzte ritterbekannt ist und auch der erste der habsburger, der wusste, wie du geschickt öffentlichkeitarbeit betreibst: sein buch „theuerdank“ war nichts anderes als eine broschüre, mit der er sich bei seiner braut und späteren frau maria von burgund bewarb. die reise maximillians nach burgund war übrigens ein kapitel für sich: maximillian, arm kam, daher wie ein interrailtorurist: abgefuckt und versandelt, ich glaube, es war eine englische tante der reichen maria von burgund, die maximillian vor der hochzeit einen ordentlichen anzug kaufte, das nur nebenbei. „tu, felix austria nube")

philipp dürfte für einen habsburger tatsächlich schön gewesen sein: athletische figur, blitzende augen, markantes gesicht, lange blonde locken, allerdings ein komplett kariesverfaultes gebiss (anders wie beim luftgselchten pfarrer von sankt thomas am blasenstein, der – wie wir bereits wissen – makellose zähne hatte). chronisten berichten auch von einer gewissen intelligenz phlipps. offenbar hielten sie das für berichtenswert. in einer doppelhochzeit wurde geheiratet. außer phillipp und und johanna, heirateten auch noch philipps schwester margarete habsburg und der bruder von johanna, der thronfolger kastilliens, juan, der allerdings frühzeitig verstarb.

johanna war damals 16, die hochzeit wurde - wie damals üblich – per procurationem, also in abwesenheit des bräutigams abgewickelt: irgendein diplomatischer gesandter steckte sein entblößtes bein unter die decke von johanna und damit galt die ehe nach kirchlichem recht auch bereits als vollzogen! sexuell nicht sehr befriedigend, aber dafür umso beinlicher! über die vortäuschung von orgasmen wurde beidiesem ehevollzug nichts berichtet. es darf angenommen werden, dass es keine gab.

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juana la loca. johanna die wahnsinnige.

johanna war die tochter von ferdinand, dem katholischem und isabella, der katholischen. da kann natürlich nur katholisches rauskommen!

ferdinand und isabella waren macht- und geldorientiert. bevor sie wussten, welcher reichtum in den kurz davor entdeckten kolonien lag, machten sie zunächst einmal in inquisition. da lag nämlich auch einiges an kohle, vor allem beim jüdischen bürgertum. also folterte und verbrannte man mit durchaus großem geschäftlichen erfolg.

auch die kleine johanna, die als zart, hübsch, intelligent, musisch beschrieben wird, wurde von ihren eltern gerne zu ketzerverbrennungsevents mitgenommen. nach zeitgenössischen berichten sollen diese geschäftsaktivitäten ihrer eltern allerdings nicht johannas geschmacksrichtung gewesen sein.

sie freute sich schon auf den für sie vorgesehen gemahl philipp. und dann war der tag gekommen, wo sie zu ihm aufbrach. das date war in belgien. irgendwie hatte es jedoch mit der terminvereinbarung nicht geklappt. als sie in belgien ankam, war kein gemahl da. der war in tirol auf gemsenjagd. aber dann kam er doch irgendwann einmal. in lier, nahe antwerpen, sahen die brautleute einander das erste mal.

es war liebe vor dem ersten fick, wenn wir das so formulieren und den geschichtsschreibern trauen dürfen. die brautleute sahen einander, ließen sich gerade noch von einem geistlichen den segen geben und verschwanden in den schlafgemächern, die sie dem vernehmen nach ein paar tage und nächte nicht verließen! sie ließen also nichts anbrennen. die hochzeitsgesellschaft tafelte inzwischen. auch schön. man muss nicht überall dabeisein.

im hafen der ehe angelangt zeigte sich johanna grundsätzlich eifersüchtig. und philipp? sagen wir einmal, lebenslustig und voll der habsburgischen säfte! eine brisante mischung, frage nicht!

die stubenmädchen waren häufig das problem. in ihrer eifersucht schnitt johanna schon mal mit der schere in deren gesichtern herum. schließlich wurden nur mehr mauretanische sklavinnen (mohrinnen?) mit entstellten gesichtern engagiert.

im alter von 28 jahren starb philipp der schöne. eine fieberepidemie grassierte, außerdem hatte er nach dem ballspiel schnell zwei kühle helle gekippt. tags darauf quälte ihn schüttelfrost, er spuckte blut, sein ganzer körper war mit rotschwarzen pusteln übersät, durchfall quälte ihn. er verdämmerte und verschied.

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johanna und vor den übel riechenden sterblichen überresten ihres mannes philipp. francisco pradilla, prado.

und jetzt ist nicht ganz klar, was wirklich geschah.

die traditionelle geschichtsschreibung berichtet, dass johanna, mit dem leichnam ihres mannes rast- und ruhelos durch spanien gezogen sei. durch den tag und durch die nacht. edelleute und volk hätten sich ihr angeschlossen. sie soll auf den sarg auf offenem feld öffnen haben lassen (siehe bild ) und den sich – unter entsprechender geruchsentwicklung - mitten in der auflösung befindlichen leichnam liebkost haben. bis zu den zehen.

wohl wurde aus philipp nach seinem tod die eingeweide aus seinem leichnam rausgenommen, auch sein herz wurde "geborgen" und - in gold gefasst – nach brüssel geschickt, aber irgendwie hatte man es nicht geschafft, philipp wirklich trocken zu legen. balsam hatte man auch keinen zur hand.

da konnte auch ein büschel gewürze, das in sein leibesinnere gesteckt wurde, nicht verhindern, dass sein leichnam fürchterlich zu stinken begann!

fatal war auch, dass ihr ein kartäusermönch ihr den floh ins ohr setzte, dass philipp quasi nur schlafe und wieder lebendig werde könne. so massierte johanna das faulende fleisch ihres gewesenen mannes, freilich ohne erfolg.

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johanna, die wahnsinnige. umgeben von einer fürchterlichen brut. hier auf dem gemälde mit ihrem sohn, dem späteren kaiser karl V.

aufgewecktere geister unter den historikern vermuten, dass johanna zugrundegerichtet wurde. vorwiegend von den sie umgebenden männern.

zunächst ihr vater ferdinand. isabella, ihre mutter hatte verfügt, dass johanna nur dann regieren sollte, wenn sie regierungsfähig sei. ansonsten solle ferdinand regieren. ferdinand lebte noch, als philipp starb.

ferdinand wollte anstelle seiner tochter regieren. so bauschte er die „leichnamstournee“ schrecklich auf. das gerücht des postmortalen zehenlutschens stammt möglicherweise von ihm.

johanna wollte den leichnam lediglich nach granada verbringen, wo philipp seine letzte ruhe zu verbringen wünschte.

aber auch philipp, ihr mann war kein guter gewesen. er hatte – trotz heftiger hochzeitsnacht - seine frau nicht übermäßig geliebt. was in ordnung ist, handelte es sich doch um eine aus dynastischen erwägungen geschlossenen ehe. das war damals in diesen kreisen eben so.

doch philipp hatte johanna vernachlässigt, sie brüskiert. zu einer trennung von ihr hatte er sich aber auch nicht durchringen können, weil johanna von ihrem politischem gewicht einfach eine zu fette henne war. so etwas lässt man als machtmensch nicht fliegen.

der schlimmste war aber dannjohannas sohn karl V., in dessen reich ja bekanntlich die sonne nie unterging. er verordnete seiner mutter geistige umnachtung, stellte sie unter „fürsorglichen“ arrest, wurde und blieb herscher. seine mutter, die inkontinent und verlaust geworden war, besuchte er nicht.

johanna, die wahnsinnige, verschied 1555 (augsburger religionsfrieden!) in ihrem defacto-verlies in tordesillas im alter von 76 jahren.


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BeitragVerfasst: 1. August 2009, 13:55 
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5.kapitel. angelo soliman, hochfürstlicher mohr zu wien und ausgestopfte exzellenz.

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"exzellenzen ausstopfen. ein unfug!“ wetterte schon der schriftsteller fritz herzmanovsky-orlando. seine exzellenz, angelo soliman, hochfürstlicher mohr zu wien.

das schicksal des mohren angelo soliman war bereits zu seinen lebzeiten (1721 -1796) ausgesprochen facettenreich. das schicksal seines leichnams ( 1796 – 1848 ) konnte aber damit problemlos mithalten.

die kindheit des angelo soliman liegt im dunkel des dunklen kontinents. er soll dem volke der kanuri angehört haben, das im heutigen nigeria beheimatet ist. sklavenjäger entrissen ihn seiner familie und verhökerten ihn an eine reiche dame aus messina, die ihn bildungsmäßig auf vordermann brachte. derart für europäische verhältnisse zurechtgeschliffen, wurde er dem fürsten lobkowitz zum geschenk gemacht. so kam soliman als emmigrant nach wien. er diente dem fürsten als bodyguard ( in einer schlacht soll soliman dem fürsten einmal das leben gerettet haben ), kämmerer und reisebegleiter. 1753 verstarb lobkowitz. soliman wurde nun hofmohr bei fürst wenzel von liechtenstein.

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canaletto, palais liechtenstein in wien, gartenansicht. um 1760.

auf dem bild sehen wir fürst wenzel von liechtenstein. der kleine mohr neben ihm ist mit ziemlicher sicherheit unser angelo soliman, wobei canaletto in würdigung der sozialen unterschiede des fürsten und soliman die größenverhältnisse der wirklichkeit entpasst haben dürfte.

soliman machte im liechtensteinschen hofstaat schnell karriere, wurde schlußendlich chef der dienerschaft. 1768 beging er einen verhängnissvollen fehler: er heiratete die witwe magdalena geb. von kellermann, verw. chrstiani. vor der verehelichung musste er gegenüber der kirche eine erklärung abgeben, dass er zwar mohr, aber kein heide sei. weiters wurde vereinbart, dass über die hochzeit stillschweigen zu bewahren sei, die katholische kirche ließ ja mit sich reden.

durch eine indiskretion des kaisers himself, joseph der zwote, dem soliman gelegentlich gesellschafter war, erfuhr fürst liechtenstein von der verehelichung und entließ unseren angelo soliman fristlos. es war fürstliche linie, dass diener nicht zu heiraten haben, sie waren ja quasi ohnedies mit allen pflichten mit dem fürsten verheiratet. da gab es auch für soliman keine ausnahme. seine karriere knickte.

die ehe hatte aber auch was gutes: ihr entstammte eine tochter josephine,
die war übrigens dem literaten eduard von feuchtersleben gute mutter.

fünf jahre nach dem tod des fürsten wenzel von liechtenstein richtete sich solimans karriere wieder auf. des fürsten wenzels neffe, franz-josef von liechtenstein, nahm angelo soliman neuerlich in die dienste der familie auf und zwar als prinzenerzieher.

1781 wurde angelo soliman über empfehlung seines freundes ignaz von born (jurist, mineraloge, geologe und mitglied des illuminatenordens ) in die wiener elite-freimaurerloge: „zu wahren eintracht“ aufgenommen. born wurde schließlich zum meister vom stuhl berufen, soliman verblieb im operativen bereich und wirkte als vorbereitender bruder im vorstand der loge.

1796 neigte sich solimans leben dem ende zu. ein „schlagfluß“ (schlaganfall ) ereilte ihn auf offener straße. der mohr hatte auf erden seine schuldigkeit getan. doch nicht sein leichnam.

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kaiser franz II. hatte mit dem leichnam unseres angelo soliman große pläne: er äußerte den wunsch, die "schönheit seiner feingeschnittenen gesichtszüge und die zartheit und ebenmäßigkeit seines körperbaus" für die nachwelt zu erhalten. soliman solle ausgestopft und im kaiserlichen naturalienkabinett ausgestellt werden!

der mit der ausstopfung beauftragte bildhauer franz thaller ging sogleich ans werk. bereits wenige stunden nach solimans ableben nahm der künstler dem leichnam einen gipsabguß ab, veranlasste dann die überführung in die wagenremise der k. u. k. hofbibliothek. dort enthäutete er soliman und gerbte dessen haut. in tragender funktion verwendete thaller eine holzpuppe, auf welche die präparierte haut gezogen wurde. die passte wie angegossen. die nicht weiter verwertbaren sterblichen überreste angelo solimans wurden auf dem währinger friedhof entsorgt.

der kaiser war von dem ergebnis der tallerschen arbeit begeistert. solimans haut wurde samt holzpuppe sogleich ins kaiserliche naturalienkabinett überstellt.

lassen wir den wiener zoologieprofessor leopold josef fitzinger zu wort kommen, was es da im vierten zimmer des museums, inmitten einer tropischen landschaftskulisse, umgeben von ausgestopften bisamschweinen, tapiren und singvögeln, zu sehen gab: (zitiert aus "geschichte des k. k. hof-naturalienkabinetts" (1856)

"angelo soliman war in stehender stellung mit zurückgerücktem rechten fuß und vorgestreckter linker hand dargestellt, mit einem federgürtel um die lenden und einer federkrone auf dem haupt, die beide aus roten, blauen und weißen, abwechselnd gereihten straußfedern zusammengesetzt waren. arme und beine waren mit einer schnur weißer glasperlen geziert und eine breite, aus gelblichweißen münzporzellanschnecken (cypraea moneta) zierlich geflochtene halskette hing tief bis an die brust herab."

solimann blieb nicht lange alleine. zwei weitere ausgestopfte mohren – einer von ihnen war in seinem früheren leben mauretanischer tierpfleger im tiergarten schönbrunn gewesen - sowie eine ebenfalls ausgestopfte mohrin, ein geschenk des königs von neapel, gesellte man ihm zu.

die proteste der solimanschen familie und seiner freunde, zu denen unter anderem auch mozart gezählt hatte, gegen die öffentliche zurschaustellung fruchteten nicht: der gute kaiser franz beharrte darauf, dass im wohlverstandenem interesse der wissenschaft soliman weiter dem kaiserlichen naturalienkabinett zur verfügung zu stehen und eine weitere diskussion nicht stattzufinden habe. es gibt auch hinweise, dass soliman vor seinem tod die zustimmung gegeben habe, dass sein körper wissenschaftlich verwertet werde. das würde durchaus auch zu solimans rational-wissenschaftlicher-aufklärischer haltung passen, die durch die freimaurer geprägt war. es erscheint wahrscheinlich, dass soliman tatsächlich so eine zustimmung gegeben haben, aber allerdings andere vorstellungen als kaiser franz darüber hatte, wie sein leichnam der wissenschaft dienen könnte. Soliman dachte vermutlich an das übliche herumschnipseln von angehenden medizinern an seinen sterblichen überresten und nicht daran, dass er ausgestopft und in eine öffentlich zugängliche afrikanische idylle platziert werden würde!

1806 wurde solimans haut samt holzpuppe dann doch wieder den augen der öffentlichkeit entzogen und in ein kaiserliches depot verbracht. dort hatte der präparierte, hochfürstliche mohr bis 1848 seine ruhe. in den bürgerkriegswirren geriet das depot durch eine versprengte kanonenkugel in brand. nun fand auch solimans leichnam seine letzte ruhe.


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BeitragVerfasst: 3. August 2009, 18:40 
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6. kapitel. ophelia. der welt schönste wasserleiche und DIE muse der wasserleichenpoeten

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[b]ophelia. john everett millais, 1852, tate gallery.[/b]


diesmal wieder eine weibliche leiche, ophelia: sie wurde vom melancholischen prinzen hamlet sowohl umworben als auch zurückgewiesen. das zweitere kränkte sie. schließlich stand sie in saft und auf prinz hamlet. sie war liebestoll.

"Hamlets weibliche Gegenfigur bildete Ophelia, die der englische Dichter als eine dem Leichtsinn frönende Frau beschreibt, die für ihre Liebesglut und ihre Leichtfertigkeit mit dem Wahnsinn und dem sich anschließenden "schlammigen" Tod bestraft werden musste. "Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts war Ophelia ebenso wie Hamlet höchst populär, da sie genug Raum für Empathie ließ", sagt Simone Kindler*). Als eine 'femme fragile' eignete sich Ophelia weit besser als Elektra und Medea als Spiegel eigener Gefühle und Sensibilitäten."

*) berliner kunsthistorikerin und opheliaexpertin

Quelle: http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/95146/


ophelia, diese femme fragile, erweckt erinnerungen an johanna die wahnsinnige, die wir in einem früheren beitrag behandelt haben. wir merken aber den unterschied zwischen den beiden:

johanna, die wahnsinnige, war bereits zu lebzeiten eine gestorbene lebendige, die bloß mehr inkontinent dahinvegetierte, weinte und schrie, gefangen in ihrem klosterverließ und von allen verlassen war.

ophelia - als ohnedies bloß fiktionale figur -wurde hingegen erst nach ihrem und vor allem durch ihren tod im bewußtsein der breiteren öffentlichkeit lebendig.

beiden frauen ist gemein, dass sie letzendlich an „ihren“ männern zerbrachen.
das liebestolle ist ja auch nicht so toll, vor allem wenn man vom geliebten mehr oder weniger zurückgewiesen wird. so wurde johanna „wahnsinnig“, ophelia hingegen zur wasserleiche. schnell faulte was im staate dänemark.

ophelias postmortales dahintreiben inspirierte zunächst den französischen lyriker arthur rimbaud, dieser wiederum die deutschen expressionisten, die schließlich den deutschsprachigen literaturraum mit einem ordentlichen schwall sogenannter wasserleichenpoesie fluten sollten.

heym, zechner mit dunklen, schwermütigen bildern, fühlten sich in ihren wasserleichenpoems noch einem ästhetischen anspruch verpflichtet. die herren berthold brecht und gottfried benn wurden plakativer und sind eher für die robusteren gemüter. die beiden letzgenannten lassen wir nun selbst zu wort kommen:

Bertolt Brecht (1898 – 1956): Vom ertrunkenen Mädchen

Als sie ertrunken war und hinunterschwamm,
von den Bächen in die größeren Flüsse,
schien der Opal des Himmels sehr wundersam,
als ob er die Leiche begütigen müsse.
Tang und Algen hielten sich an ihr ein,
so dass sie langsam viel schwerer ward.
Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein.
Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.
Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch
und hielt nachts mit den Sternen das Licht in der Schwebe.
Aber früh ward es hell, dass es auch
noch für sie Morgen und Abend gebe.
Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war,
geschah es (sehr langsam), dass Gott sie allmählich vergaß.
Erst ihr Gesicht, dann die Hände und zuletzt erst ihr Haar.
Dann ward sie Aas in den Flüssen mit vielem Aas.


einmal mehr erweist sich brecht als nüchterner materialist und melancholischer poet in personalunion.

Gottfried Benn (1886 – 1956): Schöne Jugend

Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die andern lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!


Wir dürfen nicht verkennen: gottfried benn war nicht nur dichter und essayist, sondern auch niedergelassener arzt - allerdings mit einer wanderniere, die ihn militäruntauglich machte - für haut und geschlechtskrankheiten. du spürst wenig in diesem gedicht. außer den niedergelassenen arzt mit wanderniere. von empathie keine spur.


lassen wir die expressionistischen wasserleichen weiter stromabwärts schwimmen und kehren wir zu ophelia, zu dem bach, zum ursprung zurück.

gehen wir nun zu dem von millais gemalten bild: millait war präraffaelit. die wollten die natur besonders genau wiedergeben. millais suchte daher und fand auch ein modell, dass sich für ihn die wanne legte. das modell war aber quicklebendig und eben keine wasserleiche, verhielt sich eben auch nicht als solche: bei wasserleichen bläht sich der bauch zu einer art schwimmboje auf, also ganz anders als auf millais bild, in welchem die südliche körperregion der ophelia merkwürdig bleibeschwert wirkt. zugestanden wird, dass ophelia noch nicht lange im wasser gelegen sein muss und die sich bei der selbstzersetzung des magens entstehenden leichengase nocht nicht entwickelt hatten.

näheres zu den bei leichen im nass wirkenden biophysikalischen kräfte weiter unten*)

millais hatte fürsorglich kerzen unter die badewanne gestellt und diese angezunden, auf dass sich sein modell nicht verkühle. als die kerzen niedergebrannt waren, bemerkte millait in seinem schaffensrausch nicht. es kam, wie es kommen musste: das wasser kühlte ab und das modell holte sich eine schlimme erkältung. beinahe hätte es eine zweite wasserleiche gegeben! true story, leute, true story!



ophelia hin und kerzen her, wie auch immer: millais ist es gelungen, die wahrscheinlich schönste wasserleiche der kunstgeschichte zu pinseln.

*)ein beliebtes thema im diskurs über leichen ist es, ob wasserleichen nun schwimmen oder untergehen. dies ist nicht eindeutig zu beantworten. eine laune der natur will es, dass wasser und ein menschlicher leichnam ungefähr dasselbe spezifische gewicht haben. ist das spezifische gewicht des die leiche umgebenden wassers nun höher (zum beispiel bei hohem salzgehalt des wassers, wie im Toten Meer - dieses heißt aber nicht deswegen so, weil leichen dorthin gerne auf urlaub fahrent, sondern wegen des wenigen lebens, das im toten meer aufgrund des hohen salzgehalts anzutreffen ist.

die umstände entscheiden. von großer bedeutung ist außer parametern wie bekleidung (betonpatschen?) und schmuck (schweres piercing?) auch die entwicklung innerhalb des leichnams. durch die selbstzersetzung des magens entstehen gase, die im wasser für einen entsprechenden auftrieb sorgen.

bei einigermaßen normalen verlauf ist bei einer wasserleiche zunächst von deren absinken auszugehen. durch die gasentwicklung kommt es im regelfall noch einmal zu einem letzten aufstieg an die wasseroberfläche, bis dann die körperzersetzung soweit fortgeschritten ist, dass die wasserleiche wieder zu boden des gewässers sinkt.


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 5. August 2009, 14:17 
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7. kapitel: kristina söderbaum: bereits zu lebzeiten als leiche berühmt.

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kristina söderbaum (*1912 stockholm, +2001 hitzeacker). die „reichswasserleiche“ vom dienst.

kristina söderbaum ist einer der wenigen, die bereits zu lebzeiten als leiche berühmt wurde. und das kam so:

die UFA benötigte für ihre propagandafilme arisch aussehende frauen. und die holte sie sich gerne aus schweden. in zeiten militärischer und filmischer aufrüstung waren schwedenbomben wie zarah leander („ich weiß, es wird einmal ein wunder geschehen“) und kristina zöderbaum objekte der begierde deutscher filmindustrie.

kristina söderbaum schwamm für das deutsche „vaterland“ in melonendramatischen filmen und in körbchengröße DD gelegentlich als wasserleiche stromabwärts, was ihr den spitznamen „reichswasserleiche“ einbrachte.

im film „die goldene stadt“ (ihr mann veit harlan war regisseur und drehbuchautor; alles auf parteilinie: böse slawische untermenschen, kernige bauern – verderbte städter, blut & boden mythos) starb sie allerdings nicht im wasser, sondern im moor, weshalb auch der spitzname reichsmoorleiche gerechtfertigt wäre und farblich auch besser zu ihrer ideologischen gesinnung gepasst hätte. ursprünglich hatte veit harlan ein happy end vorgesehen. doch als propagandafilm war „die goldene stadt“ chefsache und joseph goebbels selbst verfügte söderbaums gang ins moor.

auch im blutepos „kolberg“ (ebenfalls mit söderbaum in der weiblichen hauptrolle und mit veit harlan als regiseur und drehbuchautor; deutsche stadt verteidigt sich heldenhaft gegen napoleon), gedreht 1944, mischte goebbels ordentlich mit:

„Hiermit beauftrage ich Sie, einen Großfilm ‹Kolberg› herzustellen. Aufgabe dieses Films soll es sein, am Beispiel der Stadt, die dem Film den Titel gibt, zu zeigen, daß ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet. Ich ermächtige Sie, alle Dienststellen von Wehrmacht, Staat und Partei, soweit erforderlich, um ihre Hilfe und Unterstützung zu bitten und sich dabei darauf zu berufen, daß der hiermit von mir angeordnete Film im Dienste unserer geistigen Kriegführung steht.“

so goebbels auftrag an harlan in einem schreiben vom 1.juni 1943.

und veit harlan tat. tausende soldaten (immer wieder taucht die zahl 150.000) auf wurden samt ihren pferden von der ostfront abgezogen (dort gab es ja ohnedies nicht sonderlich viel zu tun?!?) und als statisten eingesetzt, hundert eisenbahnladungen salz wurden als schneersatz zum drehort nach pommern verbracht.

eine erste fassung von kolberg wurde von goebbels als "pazifistenfilm" abgetan. die martialischere fassung konnte den untergang des kürzesten tausendjährigen reiches aller zeiten allerdings auch nicht aufhalten.

die reichswasserleiche södermann tauchte nach dem krieg als schauspielerin einmal fünf jahre unter. die danach gedrehten filme konnten an die früheren von den nazis gepushten erfolge nicht mehr anschließen.

1993 stand sie in der ersten staffel der serie „der bergdoktor“, episode 11, „sinn des lebens“ das letzte mal vor der kamera.

2001 verstarb reichswasserleiche söderbaum in einem pflegeheim in hitzeacker, norddeutschland.


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 5. August 2009, 20:26 
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Konsequenterweise müsste jetzt eigentlich M. Jackson an der Reihe sein. Oder der scheintote Lurch des Lord Gaga! :oops:


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 6. August 2009, 08:20 
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dear markus, allen respekt vor deiner konsequenz, aber: es geht um prominente leichen nicht um die leichen prominenter! als nächster kommt daher weder michal jackson noch der lurch von lord gaga dran, sondern werden wir uns mit der sprtlichsten leiche der weltgeschichte beschäftigen!


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 Betreff des Beitrags: Re: prominente leichen
BeitragVerfasst: 10. August 2009, 18:23 
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8.kapitel. klaus störtebeker. die sportlichste leiche der weltgeschichte

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der freibeuter klaus störtebeker schlitze hanseatischen geld- und pfeffersäcke auf. diese revanchierten sich und enthaupteten ihn. unmittelbar nach seiner köpfung im damaligen hamburger hinrichtungscenter grasbrook stolperte störtenbeker kopflos in medizinisch umstrittenes gebiet: „ab wann ist ein leichnam wirklich leichnam?“


im 14. jahrhundert stritten im ostsseeraum der schwedenkönig albrecht, die dänenkönigin margarethe, die mecklenburger und pommerschen herzöge und die hanseatischen kaufleute um macht und einfluss. zum teil wurde offen miteinander gekämpft, zum teil wurden staatliche verbrechen privatisiert und an die sogenannten auslieger ausgelagert. man könnte auch aus anderer sicht und für das bessere verständnis von einer verstaatlichung der piraterie sprechen.

die auslieger waren nichts anderes als freibeuter, also mit kaperbriefen ausgestattete piraten. sie wurden vitalienbrüder genannt, standen zunächst auf der seite des schwedenkönigs und waren eine reale macht in der ostsee.

angeführt wurden die vitalienbrüder von godeke michels. als orakel diente godeke übrigens die getrocknete zunge des heiligen vinzenz. diese war im spanischen wallfahrtsort maria de compostela, den die vitalienbrüder im rahmen eines betriebsausfluges besucht hatten, unter nicht ganz klaren umständen in godekes besitz geraten. wetterfunk gab es damals keinen, man war daher in der christlichen seefahrt auf ein leistungsstarkes orakel angewiesen. und als solches soll die getrocknete zunge des märtyrers vinzenz hervorragende dienste geleistet haben.

ein weiteres vorstandsmitglied bei den vitualienbrüdern war - neben godeke michels - klaus störtebeker – bei im übrigen unklarer kompetenzverteilung.

godeke kennt heutezutage fast niemand mehr, störtebeker ist jedoch in norddeutschland jedem kind ein begriff. warum das so kam? godeke war farbloser stratege mit niedrigen popularitätswerten. da konnte ihm auch die zunge des heiligen vinzenz nicht helfen.

störtebeker war mehr:

störtebeker war zunächst stark: er verbog mit bloßen händen ein hufeisen.

störtebeker war trinkfest: einen vierliterhumpen bier trank er ohne abzusetzen in einem aus. störtebeker bedeutet im niederdeutschen: „stürz den becher“ was nichts anderes meint als „trink den becher ex aus!“

störtebeker war weiters ein frauenheld: obwohl zunächst für den schwedenkönig kämpfend, soll störtebeker ein pantscherl mit dessen erbittersten gegnerin, der dänenkönigin margarete gehabt haben. (ein pantscherl sagt man übrigens auch - bei relativ dichter indizienlage - sir francis drake mit der englischen queen elisabeth I. nach, vor allem nach ihrem legendären besuch von drakes schiff, der golden hinge im jahr 1581: elisabeth verlor auf dem schiff unter nicht näher geklärten umständen ihr strumpfband und sagt kurz vor dem gang von bord: „Francis Drake, Ihr seid ein Schurke, und um meiner Ehre willen muss ich mich von Euch lossagen.“ gleichzeitig ließ sie ihn aber für seine verdienste um das vaterland und der königin zum ritter schlagen.

und störtebeker war wohl der sportlichste leichnam der weltgeschichte. und das kam so:

der schwedenkönig verlor an einfluß und störtebekers kaperbrief seine gültigkeit. störtebeker störte das aber nicht sonderlich. er wählte nun die friesischen inseln als headquarter für seine operationen, die er nun ohne gültigen kaperausweis durchführte. von friesland hatte er es auch näher zu margarete von dänemark. bevorzugte beuteschiffe waren die der hanse. die prise, also die gekaperte ladung, teilte er mit der armen bevölkerung, vor allem mit seinen friesischen freunden. daher wurde das unternehmen 1398 auch von vitualienbrüder in likedeelers umbenannt („gleichteiler“) er wurde also zu so einer art robin hood der nord- und ostsee.

schließlich wurde es der hanse zu bunt. ein wohlhabender käsehändler, simon von utrecht, rüstete die strafexpedition gegen störtebeker aus. flaggschiff der hanseflotte war die bunte kuh (niederländisch:bonte koe).

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mit „bunte kuh“ wurde früher der milchhandel im niederländischen und norddeutschen raum bezeichnet. aber nicht nur! in lübeck hießen die freudenmädchen bunte kühe. icht so aber in hamburg: dort nannten die hamburger ihre nutten die grünen kühe.

störtebekers schiff hieß der rote teufel. in der direktenauseinandersetzung erwies sich das massiv gebaute freudenmädchen stärker als der rote teufel. allerdings wird auch von verrat gemunkelt. ein saboteur soll flüssiges blei in die steuerruderanlage des roten teufels gegossen und so dessen manövrierfähigkeit herbeigeführt haben. störtebeeker wurde mit 72 weiteren piraten gefangengenommen.

störtebeker versuchte zu verhandeln. er versprach, eine goldene kette um ganz hamburg zulegen, wenn man ihn und seine mannen laufen ließ. die in aussicht gestellte goldene kette rettete störtebekers kopf nicht. immerhin bekam störtebeker das versprechen des hamburger bürgermeisters kersten miles, dass man ihn laufen lasse und zwar in enthaupteten zustand, vorbei an seinen ebenfalls zum tode verurteilten piraten. jenen, an denen er in enthauptetem zustand vorbeilaufen könne, sollten ihren kopf behalten dürfen. störtebeker willigte in den deal ein.

als scharfrichter wurde ein gewisser meister rosenfeld bestellt. dieser war ein könner seines faches und wollte sich seine dienste fürstlich entlohnen lassen. die quellen berichten übereinstimmend, dass rosenfeld vom hamburger senat ein honorar von 12 mark pro enthauptung versprochen war und dies einem gegenwert von 3 tonnen bier entsprochen hätte. dies ist kritisch zu hinterfragen! die enthauptungen fanden 1401 statt, die mark als zahlungsmittel wurde aber erst 1506 eingeführt. und bei aller gebotenen wertschätzung der arbeit eines scharfrichters: gehen wir davon aus, dass die enthauptungen im minutenintervall stattfanden, kommen wir zu einem stundenverdienst von rund 180.000 liter bier! doch es sollte ohnedies anders kommen


die enthauptung störtebekers und seiner kameraden fand - wie damals üblich - nicht in einem stillen hinrichtungskämmerlein sondern im rahmen eines großen volksfestes statt. das volk stand hinter den absperrungen und auf seiten klaus störtebekers: „arm lüd hätt he watt geven, riek lüd wat namen“ war damals die überwiegende meinung. auch der hamburger senat samt bürgermeister kersten miles waren anwesend und sahen dies genauso, wenngleich sie diese klarerweise das anders bewerteten als das gemeine volk. und es eben nicht so toll fanden, dass störtebeker den reichen leuten etwas genommen und den armen etwas gegeben hatte.

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bevor wir uns nun aber endgültig der hinrichtung zuwenden, gelangt hier und jetzt noch ein werk der französischen künstlerin elisabeth daynes zur darstellung. daynes schob den schädel störtebekers in die ct-röhre. aus der computertomographie erstellte sie dann obige stereolithografie.


doch nun zur hinrichtung. die stimmung war insgesamt gut, obwohl das volk lieber den senat als störtebeker hingerichtet gesehen hätte. aber als gemeines volk kannst du dir ja nichts aussuchen, und so musste dieses es mit der hinrichtung störtebekers vorlieb nehmen. aber besser störbekers hinrichtung als keine: eine blutige abwechslung im harten alltag der hart arbeitenden bevölkerung. das war damals so.

dann wurde störtebeker zum richtpflock geführt. er kniete nieder und legte sein haupt auf den richtpflock. störtebeker war voll bei sinnen und wusste, wo seine leute standen. ein gewaltiger hieb von meister rosenfeld trennte störtebekers haupt vom rumpf.

und dann geschah das unglaubliche: störtebeker erhob sich und begann kopflos an seinen kameraden vorbeizustürmen. sechs, sieben, acht hatte er schon passiert, da wurde meister rosenfeld nervös, sah sein honorar kleiner und kleiner werden. als der kopflose störtebeker beim 11. vorbeilief, zog rosenfeld die notbremse, nahm den richtblock und schleuderte ihn störtebeker vor die beine. störtebekers rumpf stolperte und damit wars dann aus mit dem störtebekerischen vorbeidefilieren an seinem truppenkörper.

jetzt höre ich schon einige maulen: „ja, aber wenn er noch laufen konnte, dann ist er doch noch keine leiche und schon gar nicht die sportlichste der weltgeschichte!“ denen entgegne ich mit ruhiger fester stimme: „ mag sein, mag aber auch nicht sein. das ist letztendlich definitionssache. immerhin fehlte die komplette kommandozentrale! gerne räume ich aber ein, dass störtebeker noch keine leiche im amtlichen sinne war, da der totenschein bei störtekers sozusagen letztem lauf noch nicht ausgestellt war!“

wen die medizinischen aspekte einer enthauptung interessieren, der sei auf den link am ende des textes verwiesen. wir verweilen wir noch eine weile im hamburger hinrichtungscenter grasbrook.

dort führte mit großer gewissenhaftigkeit meister rosenfeld seinen job aus. streich für streich, kopf für kopf. bei massenenthauptungen tritt häufig das problem auf, dass das schwert stumpf und stumpfer wird. das war auch in grasbrook 1401 so. das unangenehme für die deliquenten ist dabei, dass der kopf nicht immer beim ersten hieb vom rumpf gelöst wird, sondern sozusagen ein nachschlag notwendig wird, in manchen fällen sogar mehrere. doch rosenfeld war wirklich ein meister und glich die zunehmende stumpfheit seines schwertes mit höherem kraftaufwand aus. es gab keine einzige beschwerde eines deliquenten wegen einer unsachgemäß vorgenommenen hinrichtung!

ja, dann waren noch die durch die sportliche meisterleistung von störtebeker vermeintlich geretteten 11 piraten. doch der senat sah das nicht so eng und befand, dass das nichteinhalten von versprechen gegenüber einem toten ethisch wohl vertretbar sei. meister rosenfeld war noch bei kräften und das gemeine volk freute sich über die unverhoffte zugabe. weniger erfreut waren naturgemäß die 11 piraten. doch ihre entäuschung währte nur kurz.

nach der letzten enthauptung wurde meister rosenfeld von einem senatsmitglied gefragt: „und, geht noch was meister rosenfeld?“

„klar“ antwortete meister rosenfeld, der so richtig in fahrt gekommen war: „ ich kann gerne dem ganzen senat noch den schädel abhauen!“ das war klarerweise keck.

der hamburger senat fand die bemerkung des meisters rosenfeld überhaupt nicht witzig – wollte sich aber möglicherweise auch nur das honorar von immerhin umgerechnet 219.000 liter bier ersparen – und ließ meister rosenbaum vom jüngsten senatsmitglied enthaupten. die hanseaten waren immer kühle rechner.

als abschreckung und als zeichen, „dat se de zee geroved hatten“ also seegeräubert hatten, wurden die schädeln gepfählt und am elbufer aufgestellt.

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gepfählte piratenschädeln. abendstimmung an der elbe um 1401.


der käsehändler milchbeutel simon von utrecht, der mit seinem freudenmädchen störtebeker gefangengenommen hatte, wurde nach dem massaker auf dem hamburger hinrichtungscenter grasbrook zum ehrenpfeffersack der stadt hamburg ernnannt.

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600 jahre nachdem simon von utrecht klaus störtebeker an den hamburger senat ausgeliefert hatte, wurde die enthauptung störtebeekers gerächt. ein „kommando klaus störtebeker“ enthauptete das denkmal des hamburger ehrenpfeffersacks simone von utrecht. (siehe bild) und sprayte auf das restdenkmal: „wir kriegen alle pfeffersäcke!“

gottes pfeffermühlen mahlen offenbar langsam, aber gerecht.

jedenfalls vermutete das hamburger abendblatt (das übrigens in der früh und niemals am abend erscheint!) in seiner ausgabe vom 7.juni 1985 nona! die chaoten aus der st.pauli hafenstraße hinter dem anschlag.

wir wollen mit einem schönen bild diesen text beschließen:

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caspar david friedrich. kreidefelsen auf rügen. 1818. hier soll sich irgendwo der sagenumwobene schatz des klaus störtebekers befinden.


wie versprochen, mehr zu den medizinischen aspekten einer enthauptung hier:

http://www.optikur.de/gesundheit/mythen ... r/kopflos/


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